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Marlene Dietrichs kompromisslose Ablehnung der Nazis und ihr Engagement an der Front – Eine Lektion in Anstand und im Kampf gegen Faschismus.
Irans Internet ist seit Tagen weitgehend abgeschaltet, und die wenigen Informationen, die das Land verlassen, deuten auf eine ernste Lage hin. Mit dem Kappen der Verbindung versucht die iranische Führung, die Proteste zum Schweigen zu bringen und zu brechen. Ausgelöst durch eine sich zuspitzende Wirtschaftskrise – und geprägt von einem Jahrzehnt der Repression gegen die Zivilgesellschaft – haben sich die Demonstrationen landesweit ausgebreitet. Die Kritik richtet sich dabei zunehmend direkt gegen das Regime.
Die Situation erinnert an Berichte aus dem Jahr 2019: Damals wurde das Internet im Iran bereits einmal abgeschaltet, bevor Proteste für Menschenrechte, Freiheit und Demokratie mit brutaler Gewalt beantwortet wurden.
Während der letzten Abschaltung nutzte das Regime den Blackout, um Informationen systematisch zu unterdrücken, Übergriffe zu verschleiern und das Vorgehen gegen Protestierende fernab öffentlicher Beobachtung zu verschärfen. Innerhalb von fünf Tagen wurden dabei rund 1.500 Menschen getötet – im Stillen, weil sie grundlegende Menschenrechte, Freiheit und Demokratie einforderten.
Mit #AllEyesOnIran machen wir sichtbar, welcher Realität jene ausgesetzt sind, die auf die Strasse gehen. Wir zeigen Beyond the Lies, einen neu fertiggestellten Film der Regisseurin und Menschenrechtsaktivistin Mahnaz Mohammadi, europaweit. Der Film bietet einen eindringlichen, intimen Blick darauf, was geschieht, wenn das Internet abgeschnitten wird – und warum öffentliche Aufmerksamkeit zumindest einen gewissen Schutz bieten kann. Mach mit: Zeig Solidarität mit den mutigen Menschen im Iran – und setze ein Zeichen dafür, dass die Welt den Kampf der iranischen Zivilgesellschaft nicht vergessen hat. Eine Vorführung nach der anderen.
Mach mit und organisiere eine Vorführung in deiner Stadt – im Kino, an deiner Universität, in einem Community Space oder an deinem Arbeitsplatz. [Weitere Informationen und ein Formular zur Film-Anfrage findest du unten.]
Damit möglichst viele den Film sehen können, organisieren wir außerdem eine internationale Online-Premiere am Sonntag, 25. Januar 2026, 19:00 Uhr, mit anschließendem Live-Gespräch mit Mahnaz Mohammadi und Expert*innen.

Beyond the Lies ist ein Dokumentarfilm über die gewaltsame Niederschlagung der Proteste im Iran im November 2019 – als eine landesweite Abschaltung des Internets tödliche Gewalt im Verborgenen ermöglichte. Der Film erzählt zudem, wie Opfer und Zeug*innen angesichts fehlender rechtsstaatlicher Verfahren im eigenen Land Wahrheit und Gerechtigkeit über ein Volkstribunal außerhalb Irans suchten.
Im November 2019 wurde das Internet im gesamten Iran abrupt abgeschaltet. Zeitgleich wurden landesweite Proteste mit extremer Gewalt beantwortet. Die staatliche Darstellung stempelte die Protestierenden als „Randalierer“ ab. Als das Internet Tage später teilweise wiederhergestellt wurde, zeigten von Bürger*innen aufgenommene Videos jedoch eine andere Realität: unbewaffnete Menschen, die auf offener Straße erschossen wurden, Massentötungen und systematische Menschenrechtsverletzungen.
Zwei Jahre später, 2021, fand in London ein Volkstribunal statt – unabhängig, ohne exekutive Macht, aber mit rechtlichem und moralischem Gewicht. Vor diesem Gericht sagten 275 Zeuginnen aus, darunter Überlebende, Angehörige der Getöteten, Ärztinnen, Juristinnen, Expertinnen und sogar Mitglieder staatlicher Sicherheitskräfte. Kein Vertreter der Islamischen Republik erschien vor Gericht.
Beyond the Lies ist als Parallelmontage angelegt und bewegt sich zwischen zwei Zeitebenen:
2019 – geprägt von staatlichen Medien, Leugnung und Propaganda;
und 2021 – in dem Zeugenaussagen, juristische Befragungen und Beweise rekonstruieren, was zuvor verborgen wurde.
Der Film macht deutlich: Die Abschaltung des Internets war keine kurzfristige Sicherheitsmaßnahme, sondern ein zentrales Instrument der Repression – eingesetzt, um Zeug*innen auszuschalten, Gewalt zu verbergen und die Deutungshoheit zu kontrollieren.
1) Worum ging es bei den Protesten im Iran 2019?
Unmittelbarer Auslöser der Proteste im November 2019 war die plötzliche und drastische Erhöhung der Benzinpreise. Sehr schnell wurde jedoch deutlich, dass es nicht um Treibstoff ging. Die Proteste wurden vor allem von Arbeiter*innen und wirtschaftlich marginalisierten Bevölkerungsgruppen getragen und spiegelten jahrelang angestauten Zorn über Armut, Korruption und die grundsätzlich gegen die Bevölkerung gerichtete Politik des Regimes wider.
Seit der gewaltsamen Unterdrückung von Universitäten und Studierendenbewegungen in den 2000er-Jahren haben Proteste im Iran fast immer einen explizit politischen Charakter, da alle legalen, reformistischen und zivilgesellschaftlichen Wege zur Veränderung systematisch geschlossen wurden.
2) Wie ist der Zugang zu unabhängigen Medien im Iran?
Internetabschaltungen und massive Filterung sind im Iran keine vorübergehenden Sicherheitsmaßnahmen, sondern Werkzeuge gezielter Gewalt. Im November 2019, nachdem das Internet vollständig gekappt worden war, wurde die Repression systematisch. Die Massentötungen fanden genau in dem Moment statt, als die Menschen von der Außenwelt abgeschnitten waren. Ohne Internet gab es keine Möglichkeit, Ereignisse zu dokumentieren oder die internationale Öffentlichkeit zu alarmieren. Dieser Blackout war gezielt – und er ermöglichte das Massaker.
3) Wie kam das Tribunal zustande – und was bedeutete es?
Das Tribunal wurde von drei Menschenrechtsorganisationen initiiert, maßgeblich getragen von iranischen Aktivistinnen. Viele von ihnen mussten nach der Grünen Bewegung ins Exil gehen, setzten ihre Arbeit jedoch fort, um internationale Aufmerksamkeit zu schaffen und juristische wie politische Wege zur Gerechtigkeit zu eröffnen.
Trotz erheblicher Risiken nahmen Zeug*innen aus dem Iran online teil und sagten mit außergewöhnlichem Mut aus. Das Tribunal war kein Ersatz für formelle Rechtsprechung, sondern ein Akt der Wahrheitsfindung: ein Versuch, Verbrechen zu dokumentieren, das erzwungene Schweigen zu durchbrechen und darauf zu bestehen, dass die Welt sich dem Geschehen im Iran stellt.