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© Film still A Fox Under a Pink Moon

Interview

„Die Arbeit an diesem Film hat mir geholfen, die Hoffnung nicht ganz zu verlieren“

Die junge Künstlerin Soraya Akhlaghi hat gemeinsam mit Mehrdad Oskouei einen Dokumentarfilm über ihre Flucht aus dem Iran realisiert. Gedreht wurde vollständig mit einer Smartphone-Kamera und unter schwierigsten Bedingungen, etwa in Bussen und Booten von Schleusern.

Christopher Suss
22.05.2026

Ihr künstlerisches Alter Ego in A Fox under a Pink Moon, ein Clown, glaubt an einen bevorstehenden Weltuntergang. Inzwischen ist die iranische Welt, wie sie einmal war, im Krieg mit den USA tatsächlich untergegangen. Wie blicken Sie nach diesen globalen Ereignissen heute auf den Film?

Ich mag weder Krieg noch Politik. Aber wir haben sie uns nicht ausgesucht – die Politik hat uns ausgesucht. Und manchmal sind wir gezwungen, über sie zu sprechen, obwohl wir eigentlich nur ein normales Leben führen wollen.

Nach den jüngsten Ereignissen ist meine Beziehung zu dem Film noch viel tiefer geworden. Heute bin ich noch dankbarer dafür, dass wir versucht haben, Spuren von Politik, Weltgeschehen und Krieg in den Film einzuschreiben. Denn dadurch konnte der Film mehr werden als nur meine persönliche Geschichte.

Für mich ist wichtig, dass der Film nicht nur meine Stimme ist, sondern auch die Stimme von Menschen, die mit Angst, Migration, Krieg oder Instabilität leben und oft weder gesehen noch gehört werden.

Der Krieg im Iran hat Fragen von Flucht und Migration aus dem Nahen Osten aktualisiert. Würden Sie heute etwas anders erzählen, wenn Sie den Film noch einmal drehen würden?

Ich glaube, alles, was gesagt werden musste, ist bereits in ehrlicher Form im Film enthalten. An seiner zentralen Aussage würde ich auch heute nichts ändern.

Aber wenn die Dreharbeiten bis heute weitergegangen wären, hätte ich vermutlich mehr Momente eingefangen, die mit den jüngsten Ereignissen und ihren Auswirkungen auf das Leben der Menschen verbunden sind. Die Welt verändert sich ständig, und leider gehören Krieg, Migration und Unsicherheit weiterhin zur Realität vieler Menschen. Ich wollte nicht, dass der Film wie in der Zeit eingefroren wirkt, sondern dass er das Gefühl mitbringt, dass Leben und Geschichte über den Bildrand hinaus weitergehen.

Sie haben während dieser Zeit Filmseminare besucht. Was haben Sie dort gelernt, und wie konnten Sie diese Techniken unter dem extremen Druck anwenden? Gedreht haben Sie ausschließlich mit Ihrem Smartphone – einem Objekt, das untrennbar mit der Geschichte heutiger Fluchtbewegungen verbunden ist.

Das war mein erster Film. Als ich mit dem Drehen begann, war ich erst fünfzehn Jahre alt und hatte keinerlei professionelle Erfahrung. Wenn man den Anfang des Films sieht, wirken einige Einstellungen noch roh und ungeschliffen. Aber nach und nach wurden sowohl meine Kameraarbeit als auch mein Gefühl für Komposition stärker.

Während der Arbeit am Film besuchte ich außerdem Kurse in Kameraführung und fotografischer Bildkomposition. Ich glaube, dieser allmähliche Lernprozess ist im Film selbst sichtbar. In gewisser Weise ist der Film gemeinsam mit mir gewachsen.

Und ehrlich gesagt war die Smartphonekamera die einzige Möglichkeit, diese Momente festzuhalten. Weil sie klein war, konnte ich sie in sensiblen oder gefährlichen Situationen verstecken, und sie zog viel weniger Aufmerksamkeit auf sich. Dadurch konnte ich Menschen und Augenblicken näherkommen, als es mit einer großen Kamera möglich gewesen wäre.

Besonders beeindruckend an dem Film ist, dass er zeigt, wie sehr Fluchtgeschichten von Versuch und Irrtum geprägt sind. War die Arbeit am Film auch ausschlaggebend dafür, die Motivation für einen neuen Versuch aufrechtzuerhalten?

Ja, ich glaube, die Arbeit an diesem Film hat mir geholfen, in einigen der schwersten Phasen meines Lebens die Hoffnung nicht ganz zu verlieren. Nach und nach wurde die Kamera für mich wie ein Freund – etwas, mit dem ich sprechen und meine Gefühle teilen konnte, besonders in Momenten, in denen ich mich anderen Menschen nicht vollständig mitteilen konnte.

Ein Teil von mir wollte sich am Ende des Films lebendig, erfolgreich und an einem sicheren Ort sehen. Der Film wurde zu einem Bild einer Zukunft, die ich noch nicht erreicht hatte, an die ich aber glauben wollte. Natürlich hätte ich diesen schwierigen Weg auch ohne Kamera gehen müssen. Aber der Film gab dieser Reise einen Sinn und machte sie ein wenig leichter zu ertragen.

Mehrdad Oskouei hat gemeinsam mit Ihnen vollständig remote Regie geführt. Wie sah dieser Prozess aus?

Ich glaube, einer der Gründe, warum der Film das Publikum erreichen konnte, ist, dass Mehrdad und ich einander wirklich verstanden haben. Zwischen uns gab es nicht nur eine professionelle Zusammenarbeit, sondern auch ein tiefes Vertrauen, das für mich sehr wichtig war. Damals war er der einzige Mensch, dem ich vollkommen vertraute – und das ist bis heute so.

Mehrdad war für mich nicht nur Filmemacher oder Regisseur. Vor allem war er jemand, der mich unterstützt hat – jemand, dem meine Sicherheit, meine Gefühle und mein Wohlergehen wirklich wichtig waren. Bevor er an den Film dachte, dachte er immer zuerst an mich als Menschen.

Gleichzeitig ist er ein äußerst professioneller Filmemacher und wusste genau, wie er diesen Prozess begleiten musste. Er hat mich nie unter Druck gesetzt, etwas zu filmen. Im Gegenteil: Durch seine Unterstützung und sein Vertrauen wurde ich motivierter, mich noch stärker anzustrengen und ehrlichere, einzigartigere Momente festzuhalten.

Wenn ich ganz ehrlich sein soll: In dieser Phase meines Lebens fühlte er sich wie ein Schutzengel an, dem ich begegnet bin. Ich glaube wirklich, dass dieser Film ohne dieses Vertrauen und diese Unterstützung nicht möglich gewesen wäre.

Sie arbeiten skulptural, zeichnerisch und filmisch. Begeistern Sie sich für eine dieser Kunstformen besonders?

Ich glaube nicht, dass ich die einzelnen Kunstformen voneinander trennen kann, weil jede von ihnen einen anderen Teil meiner Gefühle und meiner inneren Welt ausdrückt. Ich muss erschaffen. Wenn ich nichts erschaffen könnte, würde ich glaube ich mit der Zeit depressiv werden. Kunst ist für mich weder Unterhaltung noch einfach ein Beruf – sie fühlt sich eher an wie ein Sinn des Lebens.

Ich male meine Traurigkeit, ich forme meine Wut und meine Stimme in Skulpturen, und meine Freude drücke ich durch Musik und Instrumente aus. Jedes Medium trägt einen anderen Teil von mir in sich, und keines ist weniger wichtig als das andere. Am Ende sind all diese Kunstformen für mich wie eine große Familie – unterschiedliche Wege zu überleben, mich selbst zu verstehen, mit der Welt in Verbindung zu treten und auch mit mir selbst.

In einem Interview für das IDFA-Festival sagten Sie, dass Sie derzeit an einem weiteren Film arbeiten. Können Sie inzwischen etwas über dieses Projekt erzählen?

Ja, Mehrdad und ich denken über einen neuen Film nach, und wir haben bereits einige Ideen. Aber im Moment möchte ich noch nicht zu viel darüber verraten.

Zurzeit habe ich das Gefühl, dass ich etwas Ruhe und Frieden brauche. Ich möchte eine Weile mehr Zeit darauf verwenden, mich auf mich selbst zu konzentrieren – auf mein Privatleben, meine Kunst und darauf, Neues zu lernen und als Künstlerin zu wachsen. Ich möchte diese Phase meines Lebens einfach eine Zeit lang genießen, bevor ich mich erneut auf eine lange Reise begebe. Wahrscheinlich werden Mehrdad und ich in ein oder zwei Jahren wieder gemeinsam an einem neuen Film arbeiten.

Christopher Suss

Christopher Suss ist freier Kulturjournalist für unter anderem taz, neues deutschland und verschiedene Filmmagazine sowie hauptberuflich für den Berliner Senat tätig. Er schreibt Beiträge für das Doxumentale Programmmagazin.

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